Leckerli selbst machen: Rezepte, die für Welpen taugen
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Warum sich der Aufwand lohnt
Ein Blick auf die Zutatenliste handelsüblicher Trainingsleckerli erklärt das Thema von selbst. Dort stehen oft Getreidemehle an erster Stelle, dazu Zucker oder Melasse „zur Geschmacksverbesserung“, Glycerin als Weichmacher und eine Reihe von Konservierungsstoffen.
Für den gelegentlichen Keks ist das unerheblich. Bei einem Welpen im Training geht es aber nicht um den gelegentlichen Keks: Da wandern an manchen Tagen fünfzig kleine Stücke in den Hund.
Selbstgemachtes hat drei Vorteile, die sich nicht wegdiskutieren lassen:
- Du weißt, was drin ist. Bei Verdacht auf eine Unverträglichkeit ist das der entscheidende Punkt, siehe Futtermittelunverträglichkeiten.
- Kein Zucker, kein Salz, keine Füllstoffe.
- Es ist deutlich billiger. Ein Kilo Rinderlunge ergibt getrocknet ungefähr so viele Trainingsstücke wie fünf Tüten aus dem Fachhandel.
Auf einem Blick
- Leckerli zählen mit: höchstens zehn Prozent der Tagesration
- Trainingsstücke sind erbsengroß, weich und schnell zu schlucken
- Kein Salz, kein Zucker, kein Xylit – und niemals rohes Schweinefleisch
- die einfachsten Leckerli bestehen aus einer einzigen Zutat
- Selbstgemachtes ohne Konservierung hält wenige Tage, getrocknet Monate
- für Hunde mit Unverträglichkeit ist Selbstgemachtes oft die einzige Lösung
Vorher rechnen
Auch selbstgemachte Leckerli sind Futter. Es gilt dieselbe Regel wie für gekaufte: höchstens zehn Prozent des Tagesbedarfs, und diese zehn Prozent werden von der Futtermenge abgezogen, nicht obendrauf gegeben.
Bei einem Welpen ist das keine Kosmetik. Zu schnelles Wachstum ist bei mittelgroßen und großen Rassen ein echtes Gelenkrisiko – und der häufigste Grund dafür sind nicht große Portionen, sondern die vielen kleinen Stücke zwischendurch.
Der Futtermengen-Rechner in Futtermenge für Welpen zieht das Leckerlibudget bereits ab. Wie viele Stücke das praktisch sind und welche Sorte sich wofür eignet, steht in Die richtigen Leckerlis für Welpen.
Was nicht in den Teig gehört
Bevor es ans Rezept geht, die Ausschlussliste. Sie ist wichtiger als jede Zutat, die drin sein darf.
- Xylit (Birkenzucker). Der gefährlichste Punkt überhaupt, weil er in Dingen steckt, die harmlos aussehen: zuckerfreier Erdnussbutter, Backmischungen, „zuckerfreien“ Kuchenrezepten. Xylit löst beim Hund einen dramatischen Blutzuckerabfall und kann die Leber schädigen – lebensbedrohlich schon in kleinen Mengen. Erdnussbutter deshalb immer auf die Zutatenliste prüfen.
- Zucker, Honig, Melasse, Sirup.
- Salz. Viele Rezepte aus dem Netz sind Menschenrezepte mit weggelassenem Zucker – das Salz bleibt drin.
- Zwiebeln, Knoblauch, Lauch in jeder Form, auch getrocknet als Gewürz.
- Rosinen und Weintrauben. Können akutes Nierenversagen auslösen.
- Schokolade und Kakao.
- Macadamianüsse.
- Backpulver und Hefeteig.
- Rohes Schweinefleisch. Es kann das Aujeszky-Virus übertragen, das für Hunde immer tödlich verläuft. Gekochtes Schweinefleisch ist unproblematisch.
Die vollständige Liste mit Mengen und Symptomen steht in Giftige Lebensmittel für Welpen.

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Die vier Rezepte
1. Getrocknete Innereien – das beste Trainingsleckerli
Eine Zutat, kein Teig, höchster Anreiz. Rinderlunge, Rinderleber, Hühnerherzen oder Pansen.
So geht es: Das Fleisch in dünne Streifen oder kleine Würfel schneiden, auf ein Backblech mit Backpapier legen, sich nicht berühren lassen. Im Backofen bei 60 bis 70 Grad Umluft, Tür einen Spalt offen (Holzlöffel dazwischen), drei bis fünf Stunden trocknen. Fertig ist es, wenn es ledrig-hart ist und beim Biegen bricht.
Wichtig: Trocknen, nicht backen. Bei höherer Temperatur gart das Fleisch, statt Wasser zu verlieren – und schimmelt dann.
Leber sparsam. Sie ist ausgesprochen reich an Vitamin A, das sich im Körper anreichert. Als gelegentliches Jackpot-Leckerli ideal, nicht als tägliche Grundlage. Lunge ist dafür der bessere Dauerbegleiter: mager, leicht, riecht intensiv.
2. Quark-Haferflocken-Taler
Der Klassiker für alle, die etwas backen wollen.
- 250 g Magerquark
- 150 g zarte Haferflocken
- 1 Ei
- 1 EL geruchsneutrales Öl
Alles verkneten, etwa zehn Minuten quellen lassen, dünn ausrollen und in erbsengroße Stücke schneiden. 20 bis 25 Minuten bei 160 Grad, dann im ausgeschalteten Ofen nachtrocknen lassen.
Getreidefrei geht es mit Hirseflocken oder gemahlenen Sonnenblumenkernen statt Haferflocken.
3. Thunfisch-Würfel
Für Hunde, die sich draußen schwer motivieren lassen – der Geruch trägt.
- 1 Dose Thunfisch im eigenen Saft, nicht in Öl, ohne Salz
- 1 Ei
- 2 EL Kartoffel- oder Reismehl
Mit dem Pürierstab glatt rühren, in eine flache Form streichen (etwa einen halben Zentimeter hoch), 15 Minuten bei 180 Grad backen, auskühlen lassen und in Würfel schneiden. Hält im Kühlschrank drei Tage, eingefroren drei Monate.
4. Gefrorene Sommerleckerli
Kein Backen, und an heißen Tagen die beste Beschäftigung.
Naturjoghurt (ohne Zucker, ohne Süßstoff) mit pürierter Banane oder etwas Apfelmus verrühren, in Eiswürfelformen oder in einen Kong füllen, einfrieren.
Bei Welpen dosiert: Milchprodukte vertragen nicht alle gut. Klein anfangen und schauen, was der Kot sagt.
Größe und Konsistenz
Der häufigste Fehler beim Selbermachen ist nicht die Zutat, sondern das Format.
Ein Trainingsleckerli soll erbsengroß sein und in zwei Sekunden verschwinden. Wer einen Keks reicht, an dem der Hund eine halbe Minute kaut, unterbricht jedes Mal den Ablauf – und hat nach zwanzig Wiederholungen die halbe Tagesration verfüttert.
Praktisch heißt das: dünn ausrollen, klein schneiden, und beim Trocknen lieber etwas weicher lassen. Harte Brocken sind während des Zahnwechsels ohnehin unpassend.
Haltbarkeit – der unterschätzte Punkt
Selbstgemachtes enthält keine Konservierungsstoffe. Das ist der Zweck der Übung und zugleich die Einschränkung:
| Art | Haltbarkeit |
|---|---|
| Weich gebackene Taler, im Kühlschrank | 3–5 Tage |
| Weich gebackene Taler, eingefroren | 3 Monate |
| Durchgetrocknete Kekse, luftig gelagert | 3–4 Wochen |
| Getrocknetes Fleisch, luftdicht und kühl | 2–3 Monate |
Nicht luftdicht lagern, solange noch Restfeuchte drin ist. Das ist der häufigste Grund für Schimmel. Gebackenes kühlt offen aus, Getrocknetes kommt erst am nächsten Tag ins Glas. Und für unterwegs: Die Tagesportion in ein kleines Döschen, den Rest kalt lassen.
Schimmel ist kein Schönheitsfehler. Manche Schimmelpilze bilden Gifte, die schwere Vergiftungen auslösen können. Im Zweifel wegwerfen.
Leckerli selbst machen FAQ
Ab wann darf ein Welpe selbstgemachte Leckerli bekommen?
Sobald er feste Nahrung frisst, also etwa ab der achten Woche. Anfangs sehr weiche und sehr kleine Stücke, und immer nur eine neue Zutat auf einmal – so merkst du, falls etwas nicht vertragen wird.
Kann ich mein normales Welpenfutter als Leckerli verwenden?
Ja, und das ist sogar die sauberste Lösung. Nimm einen Teil der Tagesration aus dem Napf und verwende ihn zum Training. Dann stimmt die Bilanz automatisch. Bei Nassfutter funktioniert das mit kleinen Würfeln, die kurz angetrocknet wurden.
Warum schimmeln meine Kekse so schnell?
Meistens, weil sie zu früh ins geschlossene Glas kamen. Lass sie nach dem Backen im ausgeschalteten Ofen nachtrocknen und danach offen auskühlen. Und lagere sie kühl, nicht neben dem Herd.
Sind getreidefreie Leckerli besser?
Nicht grundsätzlich. Getreide ist für die meisten Hunde unproblematisch. Sinnvoll ist der Verzicht bei nachgewiesener Unverträglichkeit – und bei fertigen Leckerli, in denen Getreide vor allem als billiger Füllstoff steckt.
Kann ich Leckerli im Dörrautomaten machen?
Ja, und es ist die bequemere Variante: gleichmäßigere Temperatur, kein offener Ofen über Stunden, geringerer Stromverbrauch. 60 bis 70 Grad, sechs bis zehn Stunden je nach Dicke.
Zusammenfassung
Selbstgemachte Leckerli lohnen sich vor allem im Training, wenn viele kleine Stücke zusammenkommen: Du weißt, was drin ist, und sparst deutlich. Das einfachste und beste Rezept besteht aus einer einzigen Zutat – dünn geschnittene Lunge oder Herz, im Ofen bei 60 bis 70 Grad getrocknet. Wer backen will, kommt mit Quark, Haferflocken und Ei weit. Entscheidend sind drei Dinge: erbsengroße Stücke, die Zehn-Prozent-Regel samt Abzug von der Futtermenge, und die Ausschlussliste – allen voran Xylit, das in zuckerfreier Erdnussbutter steckt. Und weil nichts konserviert ist: gut durchtrocknen, offen auskühlen, kühl lagern.


