Futtermittelallergie beim Welpen
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Allergie oder Unverträglichkeit – der Unterschied
Beide Begriffe werden durcheinander verwendet, meinen aber Verschiedenes.
Bei einer Futtermittelallergie reagiert das Immunsystem auf ein Eiweiß im Futter. Es bildet Abwehrstoffe, und die Reaktion zeigt sich meist auf der Haut: Juckreiz, Rötungen, wiederkehrende Ohrentzündungen. Eine Allergie entsteht nicht beim ersten Kontakt – der Hund muss das Eiweiß vorher über längere Zeit gefressen haben.
Bei einer Unverträglichkeit ist das Immunsystem nicht beteiligt. Der Körper verträgt einen Bestandteil schlicht schlecht – die Folgen sind meist Magen-Darm-Beschwerden. Das kann schon beim ersten Kontakt auftreten.
Für dich im Alltag ist die Unterscheidung weniger wichtig, als sie klingt. Der Weg zur Klärung ist bei beiden derselbe, und er heißt Ausschlussdiät.
Auf einem Blick
- Leitsymptome sind Juckreiz und wiederkehrende Ohrentzündungen
- die häufigsten Auslöser sind Eiweiße, nicht Getreide
- Blut- und Speicheltests sind unzuverlässig – das ist die wichtigste Aussage
- die einzige belastbare Diagnose ist die Ausschlussdiät über acht Wochen
Die Symptome
Auf der Haut – am häufigsten:
- Juckreiz, oft ohne sichtbare Hautveränderung am Anfang
- Lecken und Knabbern an Pfoten, bis sie rötlich verfärbt sind
- Kratzen an Gesicht, Ohren, Achseln und Bauch
- gerötete, warme Haut, später Haarverlust an den bearbeiteten Stellen
- wiederkehrende Ohrentzündungen – bei einem Hund, dessen Ohren immer wieder entzünden, obwohl die Pflege stimmt, lohnt der Gedanke an eine Allergie. Besonders beim Cocker Spaniel ist das ein bekanntes Muster.
Im Magen-Darm-Bereich:
- wiederkehrender weicher Kot oder Durchfall
- häufiges Erbrechen
- auffällig viel Kotabsatz oder Blähungen
Was dagegen spricht: Ein einmaliger Durchfall nach einer Futterumstellung ist keine Allergie, sondern eine zu schnelle Umstellung – siehe Wie füttert man einen Welpen richtig.


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Was am häufigsten auslöst
Entgegen der verbreiteten Annahme sind es meist nicht Getreide oder Zusatzstoffe, sondern Eiweiße – und zwar genau die, die ein Hund am längsten gefressen hat.
Häufig genannt werden Rind, Huhn, Milchprodukte, Weizen, Ei, Lamm und Soja. Die Reihenfolge hängt schlicht davon ab, was in den verbreiteten Futtersorten steckt.
Daraus folgt etwas Wichtiges: Ein Wechsel zu „Lamm und Reis” löst nichts, wenn dein Hund vorher schon Lamm gefressen hat. Und weil „Lamm und Reis” jahrelang als Standard-Hypoallergenfutter galt, ist Lamm heute selbst ein häufiger Auslöser.
„Getreidefrei” ist übrigens kein Allergiefutter. Der Begriff sagt nur, dass kein Getreide enthalten ist – über die Eiweißquelle sagt er nichts.
Die Ausschlussdiät
Das Prinzip ist einfach: Du fütterst für eine begrenzte Zeit ausschließlich Zutaten, die dein Hund noch nie bekommen hat. Verschwinden die Symptome, weißt du, dass das Futter die Ursache war.
So läuft sie ab:
1. Eine neue Eiweißquelle wählen. Etwas, das dein Hund nachweislich noch nie gefressen hat – zum Beispiel Pferd, Känguru, Insektenprotein oder Ziege. Dazu eine einzelne Kohlenhydratquelle. Dein Tierarzt hilft bei der Auswahl.
2. Acht Wochen durchhalten. Das ist die kritische Zahl. Hautsymptome brauchen Wochen, um abzuklingen – wer nach zehn Tagen aufgibt, weiß nichts.
3. Wirklich nichts anderes. Keine Leckerli, keine Kauartikel, kein Käse zum Tabletteneingeben, keine Essensreste, keine aromatisierten Wurmtabletten. Ein einziger Ausrutscher wirft die ganze Diät zurück. Das ist der Grund, warum sie so oft scheitert – nicht die Diät, sondern die Ausnahmen.
Sprich das im Haushalt ab, und weis auch Besucher darauf hin.
4. Provokation. Verschwinden die Symptome, gibst du gezielt eine einzelne verdächtige Zutat zurück. Kommen die Beschwerden wieder, ist der Auslöser gefunden.
Beim Welpen gilt eine Einschränkung: Eine Ausschlussdiät über acht Wochen muss den Bedarf eines wachsenden Hundes vollständig decken. Das gehört mit dem Tierarzt abgestimmt – nicht improvisiert.

Was du vorbeugend tun kannst
Eine Allergie lässt sich nicht sicher verhindern – sie hat eine erbliche Komponente. Ein paar Dinge helfen trotzdem:
Füttere Qualität mit klarer Deklaration. Wenn du später eine Ausschlussdiät brauchst, musst du wissen, was dein Hund bisher bekommen hat. Bei „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse” weißt du es nicht – siehe Welpenfutter.
Nicht ständig wechseln. Wer alle paar Wochen die Sorte tauscht, verbraucht Eiweißquellen, die im Ernstfall als „neu” gebraucht würden.
Notiere, was dein Hund gefressen hat. Ein simpler Zettel mit den Sorten spart dir später viel Rätselraten.
Nimm wiederkehrende Ohrentzündungen ernst, statt sie nur zu behandeln.

Futtermittelallergie FAQ
Woran erkenne ich eine Futtermittelallergie beim Welpen?
An anhaltendem Juckreiz, Lecken an den Pfoten und wiederkehrenden Ohrentzündungen – seltener an dauerhaften Magen-Darm-Beschwerden.
Helfen Bluttests auf Futtermittelallergien?
Nein, sie sind unzuverlässig. Speichel- und Haartests erst recht nicht. Die Ausschlussdiät ist die einzige belastbare Methode.
Wie lange dauert eine Ausschlussdiät?
Acht Wochen, ohne jede Ausnahme. Kürzer ist nicht aussagekräftig.
Ist getreidefreies Futter ein Allergiefutter?
Nein. Die häufigsten Auslöser sind Eiweiße, nicht Getreide.
Kann ein Welpe schon allergisch sein?
Möglich, aber seltener – eine Allergie entsteht erst nach längerem Kontakt mit dem Auslöser. Bei einem jungen Hund mit Juckreiz sind zuerst Parasiten abzuklären.
Zusammenfassung
Bei Verdacht auf eine Futtermittelallergie führt nur ein Weg zu einer belastbaren Antwort: die Ausschlussdiät über acht Wochen, mit einer Eiweißquelle, die dein Hund noch nie bekannt hat, und ohne eine einzige Ausnahme.
Spar dir das Geld für Blut- und Speicheltests. Und notiere von Anfang an, was dein Hund frisst – das ist die einfachste Vorbereitung auf einen Fall, den du hoffentlich nie brauchst.




