Welpenmilch – darauf kommt es an
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Welpenmilch – wann sie gebraucht wird
Ein gesunder Welpe bei seiner Mutter braucht keine Welpenmilch. Sie kommt nur in Ausnahmefällen ins Spiel:
- die Mutter ist gestorben oder schwer erkrankt
- sie hat zu wenig Milch oder eine Gesäugeentzündung
- der Wurf ist so groß, dass nicht alle satt werden
- ein Welpe ist zu schwach, um sich durchzusetzen
- die Mutter nimmt einen Welpen nicht an
In all diesen Fällen gilt dasselbe: Zieh deinen Tierarzt hinzu, und zwar sofort. Ein mutterloser Welpe ist ein Notfall, kein Projekt. Dieser Beitrag beschreibt, worauf es dabei ankommt – er ersetzt die tierärztliche Begleitung nicht.
Auf einem Blick
- Kuhmilch ist ungeeignet und verursacht Durchfall
- Fütterung immer in Bauchlage, nie auf dem Rücken
- Milch auf etwa 38 Grad anwärmen, Temperatur am Handgelenk prüfen
- nach jeder Mahlzeit Verdauung anregen, solange der Welpe das nicht selbst kann
Warum keine Kuhmilch
Das ist der häufigste und folgenreichste Fehler.
Hundemilch und Kuhmilch unterscheiden sich erheblich: Hundemilch enthält deutlich mehr Eiweiß und Fett und weniger Milchzucker. Kuhmilch ist für einen Hundewelpen also gleichzeitig zu dünn und zu laktosereich.
Die Folge ist Durchfall – und bei einem wenige Tage alten Welpen führt Durchfall sehr schnell zu Austrocknung. Das ist lebensgefährlich.
Was du stattdessen nimmst: eine Welpenmilch als Aufzuchtmilch aus dem Fachhandel oder von der Tierarztpraxis. Sie ist auf die Zusammensetzung der Hundemilch abgestimmt.
Und was du nicht tust: selbst mischen. Rezepte mit Kuhmilch, Ei und Sahne kursieren im Internet – sie treffen die Nährstoffzusammensetzung nicht und sind im Notfall keine Lösung, sondern ein zusätzliches Risiko. Wenn nachts nichts erhältlich ist, ruf die tierärztliche Notfallpraxis an; dort gibt es Aufzuchtmilch.
Die ersten Stunden: das Kolostrum
Die erste Milch der Mutter – das Kolostrum – enthält Abwehrstoffe, die der Welpe nur in den ersten Lebensstunden über den Darm aufnehmen kann. Danach schließt sich dieses Zeitfenster.
Ein Welpe, der kein Kolostrum bekommen hat, startet ohne diesen Schutz ins Leben und ist infektanfälliger. Das ist einer der Gründe, warum bei einem mutterlosen Wurf der Tierarzt von Anfang an eingebunden gehört – er kann einschätzen, was nötig ist.
Wenn die Mutter lebt, aber nicht genug Milch hat: Lass die Welpen trotzdem bei ihr trinken und füttere nur zu. Jeder Schluck Muttermilch zählt.


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So fütterst du richtig
Die Position ist der wichtigste Punkt. Ein Welpe wird auf dem Bauch liegend gefüttert – so, wie er auch bei der Mutter trinken würde. Der Kopf bleibt dabei waagerecht oder leicht erhöht.
Niemals auf dem Rücken, wie man ein Menschenbaby füttert. In dieser Lage kann Milch in die Luftröhre gelangen. Eine daraus entstehende Lungenentzündung ist bei einem Neugeborenen oft tödlich.
Die Temperatur: etwa 38 Grad, also Körpertemperatur. Prüf einen Tropfen auf der Innenseite deines Handgelenks – er soll sich weder warm noch kalt anfühlen.
Das Tempo: Der Welpe bestimmt es. Drück die Flasche nicht aus. Wenn Milch aus der Nase kommt, war es zu schnell – dann sofort unterbrechen und den Welpen kurz aufrecht halten.
Die Flasche: eine Aufzuchtflasche mit passendem Sauger. Das Loch soll so groß sein, dass bei umgedrehter Flasche langsam Tropfen austreten – nicht ein Strahl.
Nach jeder Mahlzeit: Halte den Welpen kurz aufrecht, damit Luft entweichen kann.
Abstände und Mengen
Die genauen Zahlen hängen von Rasse, Geburtsgewicht und Verfassung ab – hol sie dir beim Tierarzt und nimm die Angabe auf der Packung der Aufzuchtmilch als Grundlage.
Der Rhythmus grob:
- Erste Lebenswoche: etwa alle zwei Stunden, auch nachts
- Zweite bis dritte Woche: Abstände werden länger, etwa alle drei bis vier Stunden
- Ab der dritten bis vierten Woche: Beifütterung beginnt, die Abstände strecken sich weiter
Die eine Zahl, die alles kontrolliert: das Gewicht. Wieg jeden Welpen einmal täglich zur selben Zeit mit einer Küchen- oder Briefwaage und schreib es auf. Ein gesunder Welpe nimmt jeden Tag zu.
Bleibt das Gewicht stehen oder sinkt es, ist das ein Alarmzeichen – dann gehört der Welpe umgehend zum Tierarzt, unabhängig davon, wie viel er getrunken hat.
Wärme nicht vergessen. Neugeborene können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Ohne Mutter brauchen sie eine zugfreie, gleichmäßig warme Umgebung – per Wärmelampe oder Wärmekissen, mit einer Möglichkeit, sich davon wegzubewegen. Ein ausgekühlter Welpe darf nicht gefüttert werden, weil die Verdauung dann stillsteht; er muss erst langsam aufgewärmt werden.

Der Übergang zu fester Nahrung
Ab etwa der dritten bis vierten Lebenswoche beginnt die Umstellung.
Erster Schritt: Welpenmilch in einer flachen Schale anbieten, damit der Welpe das Schlecken lernt. Das ist anfangs eine Sauerei und gehört dazu.
Zweiter Schritt: Ein hochwertiges Welpenfutter mit Welpenmilch oder warmem Wasser zu einem dünnen Brei anrühren – die Konsistenz wird über Wochen dicker.
Dritter Schritt: Ab etwa der sechsten bis achten Woche frisst der Welpe normales Welpenfutter in mehreren kleinen Mahlzeiten.
Die Flasche wird parallel reduziert, nicht abrupt abgesetzt.
Und ein Punkt, der über die Ernährung hinausgeht: Ein handaufgezogener Welpe verpasst das, was er sonst von Mutter und Geschwistern lernt – vor allem Beißhemmung und Hundesprache. Er braucht deshalb umso dringender frühen, guten Kontakt zu anderen Hunden. Mehr dazu unter Welpenschule und Welpe beißt.
Welpenmilch FAQ
Darf ich einem Welpen Kuhmilch geben?
Nein. Sie enthält zu viel Milchzucker und zu wenig Eiweiß und Fett und führt zu Durchfall.
Wie warm muss die Welpenmilch sein?
Etwa 38 Grad. Ein Tropfen auf dem Handgelenk soll sich weder warm noch kalt anfühlen.
In welcher Position füttere ich einen Welpen?
Immer in Bauchlage, nie auf dem Rücken – sonst kann Milch in die Luftröhre gelangen.
Wie oft muss ein neugeborener Welpe gefüttert werden?
In der ersten Woche etwa alle zwei Stunden, auch nachts. Danach werden die Abstände länger.
Woran erkenne ich, dass genug Milch ankommt?
Am täglichen Gewicht. Ein gesunder Welpe nimmt jeden Tag zu. Stagnation oder Abnahme gehören sofort zum Tierarzt.
Zusammenfassung
Welpenmilch ist eine Notlösung für einen Ausnahmefall – und einer, bei dem der Tierarzt von Anfang an dabei sein sollte.
Drei Regeln entscheiden dabei am meisten: keine Kuhmilch, Fütterung in Bauchlage und die tägliche Gewichtskontrolle. Und vergiss nicht, nach jeder Mahlzeit die Verdauung anzuregen, solange der Welpe das nicht selbst kann.



