Welpenentwicklung Woche für Woche
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Welpenentwicklung: warum die Wochen so viel entscheiden
Ein Welpe entwickelt sich in seinem ersten halben Jahr schneller als ein Mensch in den ersten sechs Lebensjahren. Was in dieser Zeit passiert oder eben nicht passiert, prägt ihn oft lebenslang – und die Fenster, in denen etwas leicht gelernt wird, sind teilweise nur wenige Wochen breit.
Deshalb lohnt es sich zu wissen, in welcher Phase dein Welpe gerade steckt. Vieles, was Halter als Ungehorsam deuten, ist schlicht Entwicklungsstand: Ein Welpe von zehn Wochen kann nicht einhalten, und einer von acht Monaten hört nicht schlechter, weil er trotzig ist.
Auf einem Blick
- die Prägephase von der 3. bis zur 8. Woche verbringt der Welpe beim Züchter – was er dort nicht kennenlernt, kostet später Mühe
- in Deutschland darf ein Welpe erst nach der 8. Woche von der Mutter getrennt werden, das steht in der Tierschutz-Hundeverordnung
- bis zur 20. Lebenswoche schreibt dieselbe Verordnung mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson täglich vor
- der Zahnwechsel liegt etwa zwischen dem 4. und 7. Monat
- kleine Rassen sind mit 8 bis 12 Monaten ausgewachsen, große brauchen 18 bis 24 Monate
| Alter | Phase | Was gerade wichtig ist |
|---|---|---|
| 1.–2. Woche | Vegetative Phase | Wärme, Milch, Schlaf |
| 3.–4. Woche | Übergangsphase | Augen und Ohren öffnen sich |
| 3.–8. Woche | Prägephase | Umwelt kennenlernen beim Züchter |
| 8.–12. Woche | Sozialisierung I | Einzug, Stubenreinheit, erste Impfungen |
| 12.–16. Woche | Sozialisierung II | Umweltsicherheit, Welpenschule |
| 4.–7. Monat | Zahnwechsel | Kauen, Ruhe, Gebiss kontrollieren |
| ab 6. Monat | Pubertät | Geduld, Grundlagen wiederholen |

Hochwertiges Nassfutter für Deinen Welpen
- Zutaten in Lebensmittelqualität
- Hoher Fleischanteil von über 90 %
- Frei von Farbstoffen, Geschmacksverstärkern und Konservierungsmitteln
10 % Rabatt für Neukundenkniggean der Kasse eingeben
Woche 1 und 2: die vegetative Phase
Welpen kommen blind und taub zur Welt. Sie können nichts außer saugen, schlafen und sich an die Wärme der Mutter drängen. Selbst das Lösen funktioniert in den ersten Tagen nur, weil die Hündin den Bauch ihrer Welpen leckt.
Der einzige Maßstab in dieser Zeit ist das Gewicht: Ein gesunder Welpe verdoppelt sein Geburtsgewicht etwa in der ersten Woche. Ein seriöser Züchter wiegt deshalb täglich.
Für dich als künftigen Halter passiert hier noch nichts – außer, dass du in dieser Zeit vielleicht schon einen Züchter aussuchst. Wer erst mit acht Wochen auftaucht, hat die wichtigsten Wochen nicht miterlebt.
Woche 3 und 4: die Übergangsphase
Jetzt geht buchstäblich das Licht an. Die Augen öffnen sich zwischen dem 10. und 14. Tag, das Gehör setzt in der zweiten bis dritten Woche ein. Der Welpe steht auf, taumelt los und beginnt, mit seinen Geschwistern zu spielen.
Dieses Spiel ist kein Zeitvertreib, sondern der Ort, an dem er die Grundregeln seiner eigenen Art lernt: wie fest man zubeißen darf, wann der andere genug hat, wie man sich versöhnt. Genau deshalb ist ein zu früh abgegebener Welpe später häufig auffällig im Umgang mit anderen Hunden.
Gegen Ende dieser Phase beginnt auch die Entwöhnung von der Muttermilch. Was ein Welpe in dieser Zeit tatsächlich braucht und wann eine Welpenmilch sinnvoll ist, ist ein eigenes Thema.
Woche 4 bis 8: die Prägephase – und sie läuft ohne dich
Das ist die folgenreichste Zeit im Leben eines Hundes, und sie findet vollständig beim Züchter statt. Zwischen der dritten und achten Woche nimmt ein Welpe neue Eindrücke weitgehend angstfrei auf: Menschen, Kinder, Staubsauger, Autos, andere Tiere, Böden, Treppen, Geräusche.
Was er jetzt kennenlernt, ist später normal. Was er jetzt nicht kennenlernt, muss er sich später mühsam erarbeiten – und manches gar nicht mehr.
Was in dieser Zeit im Einzelnen passiert und was du danach noch beeinflussen kannst, steht unter Prägephase und Sozialisierung.
Deshalb ist die Frage an den Züchter nicht „Wie sehen die Welpen aus?“, sondern: Wo wachsen sie auf? Ein Wurf, der in der Küche zwischen Familienleben großwird, hat einen Vorsprung, den kein späteres Training vollständig aufholt. Worauf du beim Besuch sonst noch achten solltest, steht unter Hundewelpen kaufen.
Warum acht Wochen das gesetzliche Minimum sind
Die Tierschutz-Hundeverordnung ist an dieser Stelle eindeutig: Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden (§ 2 TierSchHuV). Ausnahmen gibt es nur, wenn ein Tierarzt die Trennung anordnet, um Mutter oder Welpen vor Leiden zu bewahren.
Wer dir einen Welpen mit sechs oder sieben Wochen anbietet, verstößt gegen geltendes Recht. Das ist kein Kavaliersdelikt und fast immer ein Hinweis auf Vermehrerhandel. Viele seriöse Züchter geben ohnehin erst mit zehn bis zwölf Wochen ab – das ist kein schlechtes Zeichen, sondern ein gutes.
Woche 8 bis 12: der Einzug
Der Welpe kommt zu dir, und alles, was er kennt, bleibt zurück: Mutter, Geschwister, Gerüche, Geräusche. Die ersten Tage sind deshalb kein Training, sondern Ankommen. Wie du sie gestaltest, steht unter Der Welpe zieht ein.
Drei Dinge laufen in diesen Wochen parallel:
Stubenreinheit. Sie ist eine Organisationsleistung von dir, keine Erziehungsleistung des Welpen – die Blase ist schlicht noch nicht so weit. Der ganze Ablauf steht unter Welpen stubenrein bekommen.
Die erste Impfung. Sie liegt üblicherweise in der 8. Woche, die zweite in der 12. Der Grund für die Wiederholungen sind die Antikörper der Mutter: Solange sie noch wirken, können sie die Impfung blockieren – wie lange das der Fall ist, ist von Welpe zu Welpe verschieden. Details unter Welpen impfen.
Die Entwurmung. Sie folgt einem eigenen Takt – monatlich bis zum sechsten Monat, siehe Welpen entwurmen. Dazu kommt ab dem ersten Spaziergang das abendliche Absuchen nach Zecken: Zecken und Flöhe beim Welpen.
Alleinbleiben. Es lernt sich jetzt leichter als später, aber in Minutenschritten. Der Aufbau steht unter Welpen alleine lassen.
Die Vier-Stunden-Regel, die kaum jemand kennt
Dieselbe Tierschutz-Hundeverordnung schreibt für Welpen bis zur 20. Lebenswoche mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson pro Tag vor. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Haltungsvorschrift.
Praktisch heißt das: Ein Welpe passt nicht in einen Vollzeitjob ohne Plan. Wer neun Stunden außer Haus ist, braucht eine zweite Person, einen Hundesitter oder die Möglichkeit, den Hund mitzunehmen – und zwar ab dem ersten Tag, nicht ab dem Moment, an dem es Ärger gibt.
Woche 12 bis 16: Sozialisierung, aber dosiert
Jetzt wird der Welpe mutiger, und es entsteht der häufigste Fehler dieser Phase: zu viel auf einmal. Innenstadt, Bahnhof, Hundewiese und Besuch – alles an einem Tag, mit der besten Absicht.
Ein Welpe kann Eindrücke nur verarbeiten, wenn er dazwischen zur Ruhe kommt. Er schläft in diesem Alter 18 bis 20 Stunden am Tag, und das ist kein Luxus, sondern der Teil, in dem das Gelernte hängenbleibt. Woran du merkst, dass es zu viel wird, steht unter Reizüberflutung bei Welpen.
Wie viel Bewegung in diesem Alter angemessen ist – und warum die bekannte Fünf-Minuten-Regel dafür der falsche Maßstab ist – steht unter Wie lange Gassi mit dem Welpen?.
In diese Zeit fällt auch die dritte Impfung in der 16. Woche, die Welpenschule und der Anfang der Grundkommandos. Mehr als zwei bis drei kurze Übungseinheiten am Tag braucht es nicht – fünf Minuten sind genug.
Woche 16 bis 28: der Zahnwechsel
Zwischen dem vierten und siebten Monat fallen die 28 Milchzähne aus und 42 bleibende Zähne kommen nach. Viele Halter bemerken davon wenig, weil die Zähne meist geschluckt werden; andere finden sie im Teppich.
Was auffällt, ist das Bedürfnis zu kauen. Wer jetzt keine erlaubten Kauobjekte anbietet, bekommt Tischbeine. Und: Ziehspiele gehören in dieser Zeit pausiert – die Zahnwurzeln sind locker. Alles dazu unter Der Zahnwechsel beim Welpen.
Kontrolliere gegen Ende, ob Milchzähne stehen geblieben sind, vor allem die Eckzähne. Ein doppelter Eckzahn ist kein Schönheitsfehler, sondern schiebt das bleibende Gebiss schief und gehört zum Tierarzt.
Ab dem 6. Monat: die Pubertät
Der Hund wird größer, das Gehör scheinbar schlechter, und Kommandos, die wochenlang saßen, funktionieren plötzlich nicht mehr. Das ist normal und geht vorbei.
Was in dieser Zeit hilft, ist nicht mehr Strenge, sondern weniger Anspruch: Übungen vereinfachen, Erfolge wieder leicht machen, Rückruf nicht verbrennen. Wer jetzt anfängt zu kämpfen, gewinnt nichts und verliert Vertrauen.
Je nach Größe dauert die Phase bis etwa zum 12. Monat bei kleinen und bis zum 18. bei großen Rassen.
Wann ist ein Welpe ausgewachsen?
Das hängt fast nur an der Endgröße:
- kleine Rassen: 8 bis 12 Monate
- mittelgroße Rassen: 12 bis 15 Monate
- große und sehr große Rassen: 18 bis 24 Monate
Wie du das Wachstum deines Welpen verfolgst und sein Endgewicht abschätzt, steht unter Gewichtstabelle: Wächst mein Welpe richtig?.
Für die Fütterung ist das der entscheidende Punkt – und zwar in beide Richtungen. Ein großer Welpe, der zu schnell wächst, hat ein höheres Risiko für Gelenkprobleme, weil Knochen und Gelenke mit der Masse nicht Schritt halten. Mehr Futter macht keinen größeren Hund, sondern nur einen schwereren, schneller wachsenden.
Umgekehrt braucht ein großer Hund deutlich länger Welpenfutter als ein kleiner. Wonach sich die Menge richtet, steht unter Futtermenge für Welpen, und was in den Napf gehört, unter Welpenfutter.
Welpenentwicklung FAQ
Wann öffnen Welpen die Augen?
Zwischen dem 10. und 14. Lebenstag. Das Gehör setzt wenig später ein, in der zweiten bis dritten Woche.
Ab welchem Alter darf ein Welpe abgegeben werden?
Erst im Alter von über acht Wochen – so steht es in § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung. Frühere Abgabe ist ein Rechtsverstoß und meist ein Zeichen für unseriösen Handel.
Wie lange schläft ein Welpe am Tag?
In den ersten Monaten 18 bis 20 Stunden. Schlafmangel ist eine der häufigsten Ursachen für einen Welpen, der ständig überdreht oder zwickt.
Wann ist die Prägephase vorbei?
Etwa mit der achten Woche – also bevor der Welpe bei dir einzieht. Die Sozialisierung geht danach weiter, aber nicht mehr so mühelos.
Wann kommt der Zahnwechsel?
Ungefähr zwischen dem vierten und siebten Monat. 28 Milchzähne werden durch 42 bleibende ersetzt.
Wie viele Stunden am Tag muss man sich um einen Welpen kümmern?
Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt für Welpen bis zur 20. Lebenswoche mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson täglich. Realistisch ist in den ersten Wochen deutlich mehr, weil alle zwei Stunden ein Gang nach draußen dazukommt.
Mein Welpe hört plötzlich nicht mehr – was ist los?
Wahrscheinlich die Pubertät. Ab dem sechsten Monat bricht scheinbar Gelerntes weg. Das ist keine Trotzphase, sondern Umbau im Kopf. Übungen vereinfachen statt verschärfen.
Zusammenfassung
Die Welpenentwicklung läuft in Fenstern, nicht gleichmäßig. Die wichtigsten liegen früh: Was zwischen der vierten und achten Woche beim Züchter passiert, entscheidet mehr über den fertigen Hund als alles, was du in den Monaten danach tust – deshalb ist die Wahl des Züchters die eigentliche Erziehungsentscheidung.
Ab dem Einzug gilt: weniger Programm, mehr Ruhe. Schlaf, Wiederholung und Berechenbarkeit bringen einen Welpen weiter als volle Wochenenden. Und in der Pubertät hilft Geduld, nicht Härte – die Phase geht vorbei, das verlorene Vertrauen nicht so leicht zurück.




