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Welpenfutter selbst kochen: Was dabei schiefgehen kann

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Zwei Hunde sitzen an einem Küchentisch mit Mehl, Milch und Eiern
Selbst kochen geht – aber nur mit berechneter Ration, sonst fehlt dem Welpen das Kalzium

Der Gedanke ist naheliegend

Man will wissen, was im Napf ist. Man kauft ordentliches Fleisch, kocht Reis dazu, gibt Gemüse hinein – und hat das Gefühl, etwas Besseres zu tun als mit einer Dose aus dem Regal.

Bei einem erwachsenen Hund kann das aufgehen. Bei einem Welpen ist es die anspruchsvollste aller Fütterungsarten, und zwar aus einem einzigen Grund, der in fast keinem Rezept steht:

Fleisch enthält fast kein Kalzium.

Das ist beim ausgewachsenen Hund über Monate zu verkraften. Bei einem Hund, der in einem halben Jahr sein Körpergewicht verzehnfacht und dabei ein komplettes Skelett baut, ist es innerhalb von Wochen ein Problem.

Auf einem Blick

Warum Kalzium der Knackpunkt ist

Ein erwachsener Hund kann die Kalziumaufnahme im Darm regulieren: Bekommt er zu viel, nimmt er anteilig weniger auf.

Welpen können das noch nicht – jedenfalls nicht zuverlässig. Sie nehmen weitgehend auf, was angeboten wird. Daraus folgt etwas, das viele überrascht:

Beim Welpen ist zu viel Kalzium genauso gefährlich wie zu wenig.

Zu wenig führt zu Knochenschwäche und im Extremfall zu Spontanbrüchen. Zu viel stört die Knorpelreifung an den Wachstumsfugen – daraus entstehen Entwicklungsstörungen des Skeletts wie die Osteochondrose. Untersuchungen an großwüchsigen Rassen haben das seit Jahrzehnten gezeigt; die Deutsche Dogge ist das klassische Beispiel.

Betroffen sind vor allem Hunde, die schwer werden. Bei einem Zwergpudel sind die Toleranzen größer, bei einem Bernhardiner sehr klein. Wo dein Welpe landen wird, schätzt der Endgewichtsrechner in Welpen-Gewichtstabelle.

Das zweite Problem ist das Verhältnis. Kalzium und Phosphor müssen zueinander passen; als Zielgröße gilt etwa 1,2 Teile Kalzium auf 1 Teil Phosphor. Reines Muskelfleisch liegt bei ungefähr 1 : 20 – also am völlig falschen Ende. Auch wer „genug“ Kalzium zufüttert, kann das Verhältnis verfehlen, wenn er es neben viel Fleisch tut.

Was sonst noch fehlt

Kalzium ist der auffälligste Punkt, aber nicht der einzige.

Eine selbst zusammengestellte Ration aus Fleisch, Reis und Gemüse ist in aller Regel zu knapp bei:

Untersuchungen selbst zusammengestellter Rationen – sowohl gekochter als auch roher – kommen regelmäßig zu demselben Ergebnis: Die große Mehrheit weicht in mindestens einem wichtigen Nährstoff deutlich von den Empfehlungen ab, häufig in mehreren gleichzeitig. Das gilt ausdrücklich auch für Rezepte aus Büchern und von Websites.

Der Grund ist banal: Ein Rezept kennt deinen Hund nicht. Es kennt nicht sein Gewicht, nicht sein Alter, nicht seine Rasse und nicht seine Wachstumskurve.

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Wie es richtig ginge

Selbst kochen ist nicht unmöglich. Es ist nur nichts, was man nach Gefühl macht.

Schritt 1: Ration berechnen lassen. Von jemandem, der das fachlich kann – ein Tierarzt mit der Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung oder eine ernährungsmedizinische Beratungsstelle einer tierärztlichen Hochschule. Gebraucht werden Rasse, Alter, aktuelles Gewicht, erwartetes Endgewicht und Aktivität.

Kosten: meist 100 bis 200 Euro einmalig. Beim Welpen kommen ein bis zwei Anpassungen im Lauf des Wachstums dazu, weil sich der Bedarf mit dem Gewicht verschiebt.

Das klingt nach viel. Verglichen mit der Behandlung einer Skeletterkrankung ist es nichts.

Schritt 2: Die Ration einhalten. Das ist der Teil, der im Alltag scheitert. Eine berechnete Ration ist kein Vorschlag – sie funktioniert nur, wenn die Mengenverhältnisse stimmen. Wer den Reis weglässt, weil der Hund ihn nicht mag, oder das Öl vergisst, hat eine andere Ration.

Schritt 3: Küchenwaage statt Augenmaß. Gewogen wird, nicht geschätzt.

Schritt 4: Wachstum kontrollieren. Alle ein bis zwei Wochen wiegen und mit der Kurve abgleichen. Ein Welpe, der zu schnell zunimmt, ist nicht gut versorgt, sondern überversorgt. Wie das geht, steht in Welpen-Gewichtstabelle.

Was in die Küche gehört – und was nicht

Wenn eine berechnete Ration vorliegt, gelten trotzdem ein paar handwerkliche Punkte:

Fleisch durchgaren. Der Sinn des Kochens ist die Abtötung von Keimen. Halb gegart ist der schlechteste Kompromiss. Wer roh füttern will, ist beim Barfen – das ist eine eigene Methode mit eigenen Regeln, keine Zwischenstufe.

Rohes Schweinefleisch nie. Es kann das Aujeszky-Virus übertragen, das für Hunde immer tödlich verläuft. Durchgegart ist Schwein unproblematisch.

Gekochte Knochen niemals. Sie splittern scharfkantig. Das ist die rote Linie in Knochen für Welpen – und sie gilt auch, wenn der Knochen in der Suppe mitgekocht hat.

Kartoffeln und Hülsenfrüchte nur gegart. Roh enthalten sie Stoffe, die den Magen-Darm-Trakt reizen.

Getreide und Kartoffeln weich kochen. Hart gekochte Stärke wird schlecht verdaut.

Gemüse pürieren oder sehr weich garen, sonst geht es unverändert wieder hinaus. Welches sich eignet, steht in Obst und Gemüse für Welpen.

Öl erst nach dem Kochen zugeben. Hitze zerstört die empfindlichen Fettsäuren, um die es geht.

Keine Gewürze. Kein Salz, keine Brühwürfel, keine Zwiebeln, kein Knoblauch – auch nicht „nur ein bisschen“.

Vorkochen und einfrieren funktioniert gut: Portionen für eine Woche, im Kühlschrank drei Tage, eingefroren drei Monate. Die berechneten Zusätze kommen erst beim Auftauen dazu, nicht vorher.

Der ehrliche Rat

Selbst kochen ist sinnvoll, wenn es einen Grund dafür gibt: eine diagnostizierte Unverträglichkeit, eine Ausschlussdiät, eine Erkrankung, die eine besondere Ration verlangt. In diesen Fällen führt oft kein Weg daran vorbei – und dann gehört eine berechnete Ration ohnehin dazu.

Wer dagegen selbst kochen will, weil er dem Fertigfutter misstraut, sollte sich zuerst ansehen, was auf der Dose steht. Ein gutes Alleinfuttermittel ist auf den Bedarf eines wachsenden Hundes ausgelegt und deckt ihn zuverlässiger, als eine selbst zusammengestellte Ration es ohne Berechnung je tun wird.

Das Etikett zu lesen ist deutlich weniger Arbeit als jeden Tag zu kochen – und bringt bei der Futterqualität oft mehr. Wie das geht, steht in Hundefutter-Etikett lesen.

Und ein Zwischenweg ist völlig in Ordnung: ein hochwertiges Alleinfutter als Grundlage, dazu gelegentlich etwas Selbstgekochtes als Ergänzung – solange es innerhalb der Zehn-Prozent-Grenze bleibt, die auch für Leckerli gilt.

Welpenfutter selbst kochen FAQ

Kann ich meinem Welpen einfach Hühnchen mit Reis geben?

Als Schonkost für zwei, drei Tage bei Durchfall: ja, siehe Durchfall bei Welpen. Als Dauerfütterung: nein. Hühnchen mit Reis ist stark kalziumarm und deckt weder Jod noch Spurenelemente noch Vitamin D.

Reichen nicht Eierschalen als Kalziumquelle?

Fein vermahlene Eierschale ist tatsächlich eine brauchbare Kalziumquelle – aber nur, wenn die Menge berechnet ist. Genau das ist der Punkt: Der Unterschied zwischen zu wenig und zu viel liegt bei einem Welpen im Bereich von einem halben Teelöffel. „Eine Prise Eierschale“ ist keine Dosierung.

Ist selbst gekocht besser als Fertigfutter?

Nicht von sich aus. Besser ist, was den Bedarf deckt. Ein gutes Alleinfutter tut das zuverlässig, eine ungerechnete Hausration meistens nicht.

Ab wann kann ich selbst kochen?

Sobald der Welpe feste Nahrung frisst – vorausgesetzt, die Ration ist berechnet. Gerade in der Hauptwachstumsphase bis etwa zum sechsten Monat sind die Anforderungen am höchsten.

Wie stelle ich um?

Langsam, über etwa zehn Tage, und nicht in der ersten Woche nach dem Einzug. Der Ablauf steht in Futterumstellung beim Welpen.

Zusammenfassung

Welpenfutter selbst zu kochen ist anspruchsvoller als jede andere Fütterungsart, weil ein wachsender Hund Kalzium weder gut regulieren noch improvisieren kann: Fleisch allein liefert fast keines, und zu viel ist genauso schädlich wie zu wenig – bei großen Rassen bis hin zu Skeletterkrankungen. Dazu fehlen in selbst zusammengestellten Rationen regelmäßig Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D. Rezepte aus dem Internet lösen das nicht, weil sie den konkreten Hund nicht kennen. Wer selbst kochen will, lässt die Ration einmalig berechnen – das kostet 100 bis 200 Euro und ist der einzige Weg, der funktioniert. Wer diesen Aufwand nicht will, fährt mit einem guten Alleinfutter sicherer.