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Hovawart Welpen

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Schwarze und Goldene Hovawart Welpen beim Spielen im Schnee
Schwarze und Goldene Hovawart Welpen beim Spielen im Schnee

Hovawart Welpen – der Hofwächter, zweimal erfunden

Der Name ist ein mittelalterliches Wort: Hovawart, aus hova für Hof und wart für Wächter. Hunde dieses Namens werden bereits in Rechtstexten des 13. Jahrhunderts erwähnt – der Hofwächter war damals ein rechtlich geschütztes Tier.

Die Rasse, die wir heute kennen, ist trotzdem jung. In den 1920er Jahren suchten deutsche Züchter um Kurt König auf Bauernhöfen im Harz und im Schwarzwald nach Hunden vom alten Typ und bauten daraus eine Rasse neu auf. 1937 wurde sie anerkannt.

Herausgekommen ist ein vielseitiger, ausgesprochen langlebiger Gebrauchshund – und einer der wenigen großen Schutzhunde, der in keinem Bundesland auf einer Rasseliste steht.

UrsprungslandDeutschland
Größe63 bis 70 cm (Rüden), 58 bis 65 cm (Hündinnen)
Gewicht30 bis 45 kg (Rüden), 25 bis 35 kg (Hündinnen)
Alter12 bis 14 Jahre
Felllanges, leicht gewelltes Deckhaar mit wenig Unterwolle
Farbeschwarz, schwarzmarken oder blond
VerwendungBegleit-, Wach-, Schutz- und Rettungshund
Klassifikation F.C.I.Gruppe 2, Sektion 2.2 Berghunde. Mit Arbeitsprüfung.

Spät reif – und was das bedeutet

Der Hovawart braucht Zeit. Körperlich ist er mit anderthalb Jahren ausgewachsen, im Kopf dauert es bis zu drei Jahre. In dieser Zeit ist er ein großer, kräftiger Hund mit dem Urteilsvermögen eines Halbwüchsigen.

Das ist nichts, was man aussitzt – es ist die Phase, in der die Erziehung stattfindet. Und sie sieht bei ihm anders aus als bei vielen Gebrauchshunden:

Er arbeitet über Beziehung, nicht über Gehorsam. Der Hovawart macht mit, weil er es will. Druck und Lautstärke verunsichern ihn und bringen ihn dazu, abzuschalten. Wer ihn gewinnt, bekommt einen Hund, der freiwillig mitgeht.

Er denkt mit. Der Hovawart löst Aufgaben selbstständig – auch solche, die du gar nicht gestellt hast. Ein gelangweilter Hovawart wird kreativ, und das ist bei 40 Kilogramm eine Eigenschaft mit Reichweite.

Er entwickelt einen Schutztrieb. Der kommt nicht im Welpenalter, sondern schleichend mit der Reife – oft überraschend für Halter, die den ersten anderthalb Jahren nach einen freundlichen Familienhund erlebt haben. Breite Sozialisierung im ersten Jahr sorgt dafür, dass er später zwischen normal und auffällig unterscheiden kann.

Er bindet sich eng an die Familie. Alle Familienmitglieder, nicht nur eine Person. Fremden gegenüber ist er zunächst reserviert, ohne unfreundlich zu sein.

Auf einem Blick

Schwarzer Hovawart Welpe mit Mutter im Schnee
Bis zum erwachsenen Verhalten vergehen beim Hovawart bis zu drei Jahre.

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Die drei Farbschläge

Alle drei sind rassetypisch und unterscheiden sich weder im Wesen noch in der Gesundheit. Sie können sogar im selben Wurf fallen.

Blond ist der bekannteste Schlag – goldblond bis mittelblond, oft mit dunklerem Rückenstrich.

Schwarzmarken ist schwarz mit blonden Abzeichen an Augenbrauen, Fang, Brust, Läufen und Rutenunterseite.

Schwarz ist durchgehend schwarz mit leichtem Glanz.

Beim Züchter solltest du dich deshalb nicht nach der Farbe richten, sondern nach Wesen und Gesundheitsbefunden der Elterntiere. Die Farbe ist die unwichtigste Entscheidung, die du hier triffst.

Goldener Hovawart Welpe im Schnee
Blond, schwarzmarken und schwarz können im selben Wurf fallen – Wesen und Gesundheit sind identisch.

Der Alltag mit einem Hovawart

Sein Bewegungsbedarf liegt bei zwei bis drei Stunden täglich, und er braucht davon einen echten Anteil Kopfarbeit. Er eignet sich hervorragend für Fährtenarbeit, Rettungshundearbeit, Mantrailing, Obedience und Begleithundeprüfung.

Was ihm nicht genügt: zweimal um den Block und abends aufs Sofa. Der Hovawart ist ein Arbeitshund. Ohne Aufgabe wird er entweder unruhig oder übernimmt selbst Aufgaben – meist die des Wachhundes, und zwar gründlicher, als dem Umfeld lieb ist.

Die Fellpflege ist überschaubar: ein- bis zweimal wöchentlich bürsten, im Fellwechsel häufiger. Das lange Deckhaar hat wenig Unterwolle und filzt kaum. Besondere Aufmerksamkeit brauchen die Befederung an Rute und Hinterläufen.

Gesundheit

Der Hovawart gilt als eine der gesünderen großen Rassen – 12 bis 14 Jahre sind für einen Hund dieser Größe bemerkenswert. Drei Themen gehören dazu:

Gelenke. Hüft- und Ellenbogendysplasie kommen vor; die Zuchtvereine röntgen konsequent.

Schilddrüse. Die Unterfunktion tritt gehäuft auf, ist aber mit Tabletten dauerhaft gut zu führen.

Magendrehung. Wie bei allen großen Hunden mit tiefem Brustkorb: zwei bis drei kleinere Mahlzeiten statt einer großen, danach eine Stunde Ruhe. Aufgeblähter, harter Bauch mit erfolglosem Würgen ist ein Notfall.

Im ersten Lebensjahr gelten die Regeln aller schweren Rassen: schlank halten, kein zusätzliches Kalzium, keine Treppen im Dauerlauf, keine Sprünge aus dem Auto, kein Fahrradfahren. Mehr dazu im Beitrag zur Futtermenge für Welpen.

Kalzium bitte nicht zusätzlich geben – warum das gerade großen Rassen schadet, steht unter Wächst mein Welpe richtig?.

Hovawart FAQ

Ist der Hovawart ein Listenhund?

Nein, in keinem Bundesland. Er ist ein Schutzhund, steht aber auf keiner Rasseliste. Wie das System der Rasselisten funktioniert, steht in unserem Rottweiler-Beitrag.

Ist er ein Familienhund?

Ja, innerhalb der Familie ist er anhänglich, verspielt und kinderlieb. Er braucht aber Menschen, die ihm eine Aufgabe geben und die drei Jahre bis zur Reife begleiten.

Ist er ein Anfängerhund?

Bedingt. Er ist gutmütig und lernfreudig, aber groß, spät reif und mit Schutztrieb. Mit Zeit und einer guten Hundeschule klappt es gut – nebenher nicht.

Wie viel Beschäftigung braucht er?

Zwei bis drei Stunden täglich, davon ein echter Anteil Kopfarbeit.

Was unterscheidet ihn vom Rottweiler?

Fell, Format und Arbeitsweise. Der Rottweiler ist kurzhaarig, schwerer und ruhiger, mit hoher Reizschwelle. Der Hovawart ist leichter, langhaarig, beweglicher, deutlich sensibler – und lebt im Schnitt mehrere Jahre länger.

Zusammenfassung

Der Hovawart ist ein vielseitiger, kluger und außergewöhnlich langlebiger Gebrauchshund – ein Schutzhund, der über Beziehung arbeitet statt über Gehorsam.

Er verlangt zwei Dinge: Geduld durch die drei Jahre bis zur Reife und Aufgaben danach. Wer beides mitbringt, bekommt einen Begleiter, der sein Zuhause zwölf bis vierzehn Jahre lang mit ruhiger Aufmerksamkeit trägt – und der dabei keiner Rasseliste unterliegt.